Geschichten von Bären und Katzen
 
aufgeschrieben von  Erika Herkt-Skupin

  Der Katzenfan.
 
  Eigentlich habe ich eine Katzenallergie. Fast alle meiner Freunde und Verwandte haben Katzen. Katzen lieben es, um meine Beine zu streichen und sich ausgerechnet in meiner Nähe breit zu machen. Meine Katzenallergie interessiert sie nicht.

Am Samstag, dem 7. Februar 1999 wollte ich meinen Sohn von seinem Freund abholen. Er lebt auf einem Aussiedlerhof. Seine Eltern waren übers Wochenende verreist. Es war schon dunkel und sehr kalt. Ich hatte unsere Hündin „Paisley“ dabei. Zu spät sah ich, dass zwei Katzen vor der Haustür saßen. „Paisley“ ist eine große Katzenliebhaberin. Sie liebt es, fliehenden Katzen nachzujagen. Aber diese Katzen flohen nicht. Die kleine lief auf sie zu, rieb den Kopf in Katzenmanier an der Hündin und drückte sich nah an  sie. „Paisley“ schaute pikiert. Was passierte da mit ihr? Katzen waren zum Jagen da. Doch diese lief nicht weg! Also konnte man sie auch nicht jagen!

Es war ein wunderschönes Katzentier. Vierfarbig. Schildpatt auf weiß. Ein seltener Glücksfall. Eine Glückskatze. Sie strich mir um die Beine. Ich nahm sie auf und sah sofort, dass es ihr nicht gut ging. Diese Katze war todkrank: Vereiterte Augen, verkrustete Nase und total abgemagert. Sie musste noch sehr jung sein. Ein Fliegengewicht. Und sie rührte mein Herz. Schnell setzte ich sie ab. Ich hörte meinen Arzt, wie er zu mir sagte: „Beim Allergie-Test haben sie am stärksten auf Katzen reagiert. Sie haben eine Katzenallergie.“ Und ich kannte mich nur zu gut. Genauso war ich auch auf den Hund gekommen.

Diese kleine, kranke Katze durfte nicht mit ins Haus. Ich schaute nach dem Futter. Es war eingefroren. Ich fuhr heim, telefonierte mit meiner Katzenverwandtschaft und holte mir die nötigen Informationen. Alle sagten mir, da draußen würde dieses Katzentier sterben. 

Ich nahm eine Decke und etwas Katzenfutter (heimlich hatte ich draußen schon immer die wilden Katzen gefüttert, die nachts um unser Haus strichen – sehr zum Ärger der restlichen Familie).

Im Kaninchenstall des Aussiedlerhofes legte ich die Decke aus, schützte den Drahtverschlag mit einem Karton, stellte Futter hinein. Die große Katze fand es sofort. Die kleine folgte ihr nach einer Weile und fraß zögernd und vorsichtig vor dem respektvollen Knurren der großen Katze. Ich fuhr wieder nach Hause. ......... Aber ich fand keine Ruhe.

Sie wird sterben, wenn sie da draußen bleibt, - ........ ich hatte dort schon einmal eine kleine Katze an Katzenschnupfen sterben sehen  ......und ich hatte damals nicht den Mut, sie mitzunehmen. Was würde die Familie sagen und eigentlich habe ich eine Katzenallergie.    -    Egal! 

Mein Sohn und ich fuhren wieder hin. Im Kaninchenverschlag saß mit Decke und Katzenfutter: der Hofhund. Es dauerte nicht lange bis die Katzen kamen. Wir nahmen die kleine Katze, wickelten sie in die Decke und fuhren mit ihr nach Hause.

Katzendiebe! 

Das Tier taute auf. Sie genoss die Wärme und lag tagelang auf Handtüchern auf den Heizkörpern oder in der wattierten Weste meines Sohnes. Meine Katzenverwandtschaft lieh mir Katzenstreu und Katzentoilette. Die Katze war bei uns zur Kur.

Am Montag fuhren wir zur Tierärztin. Sie sagte uns, dass die Katze maximal 3 Monate alt wäre und gerade 1 kg wog. Sie wäre verhungert, weil sie ihr Futter nicht mehr riechen konnte. 

Sie hat im Sturm unser aller Herz erobert. Meins hatte sie sowieso schon. 

Natürlich haben wir sie behalten. Und weil sie als dünnes, kleines Würstchen zu uns kam, nannten wir sie „Bifi“.

 Von Tag zu Tag ging es ihr besser und sie hat uns mit ihrem Wesen total gefesselt. Die Liebe unserer Katze zu unserer Hündin geht sogar soweit, dass sie uns beim Gassigehen begleitet und unsere Hündin liebt sie auch, wenngleich die Kommunikationsprobleme (Schnurren = Knurren ? Nervöses schwanzschlagen = schwanzwedeln?) zwischen den beiden noch nicht aus der Welt geschafft sind. Aber sie werden es sicher noch lernen.

Und auch ich habe gelernt: Mich im Haus langsamer zu bewegen, weil mir die Katze zwischen die Beine läuft, Türen zu schließen, Lebensmittel abzudeckeln, Nadeln, die vom Arbeitstisch fallen sofort aufzuheben und dass meine Zimmerpflanzen zwar schön, aber für Katzen giftig sind.

Ich las in einem Buch den Satz: „Als Gott den Hund schuf, übte er nur.“    -     Wie wahr!  Und dennoch ist mir unsere „einfache“ Hündin so lieb, wie unsere eigensinnige Katze.   

Einige „meiner“ wilden Katzen haben inzwischen ein neues Zuhause gefunden, dort, wo wir Bifi „gestohlen“ haben. Sie sind robust und das freie Leben gewöhnt. In den großen Scheunen finden sie Unterschlupf und massenhaft Mäuse. 

Beim Aufräumen des Dachbodens fand ich ein Bild, dass ich jahrelang an der Wand hängen hatte. Ich hatte es schon völlig vergessen. Eine Katzenmutter mit ihren Jungen. Eigentlich war ich schon immer ein Katzenfan.

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