Geschichten von Bären und Katzen
 
aufgeschrieben von  Erika Herkt-Skupin

 

Unsere Bifi

Ein Vatertagsausflug und seine Folgen

Wer hätte das gedacht.

Unsere „Bifi“ konnte nicht kastriert werden, weil sie so ein  mageres, kleines Würstchen war, dass sie eine OP nicht überstanden hätte.

Ostern war sie rollig. Wir sperrten sie ein. Meine erfahrene Katzenverwandtschaft erklärte mir, dass 3 Wochen später die Rolligkeit wieder einsetzt. Wir sperrten sie wieder ein. Sie wurde aber nicht rollig. 

Dann kam der Vatertag. Die Katze war noch immer nicht rollig. Sehnsüchtig schaute sie morgens aus der Wintergartentür und machte dann einen Vatertagsausflug. ½ Stunde später hörten wir einen Katzenschrei. Aber soviel wir auch riefen, Bifi kam nicht. Den ganzen Tag ließ sie sich nicht sehen und wir wurden schon unruhig. Abends, als es schon dunkel wurde, gingen wir mit ihrem Lieblingsspielzeug, ihrem Katzenkorb und der Taschenlampe und suchten sie. Nichts. Rufen und rasseln blieben ohne Erfolg. Wir ließen die Wintergartentür geöffnet. Es war fast völlig dunkel, als sie kam. Sie war völlig verstört und staubig. Ich erinnerte mich an den Katzenschrei und dachte sofort an den großen, wilden Kater, den ich im Winter einige Male um unser Haus schleichen sah. Er hatte große Verletzungen im Gesicht und am Bein, sein Fell war verfilzt und schmutzig. Sollte sich Bifi aus Angst vor ihm irgendwo verkrochen haben?

Dann wurde Bifi krank. Lymphdrüsen und Mandeln waren angeschwollen. Sie bekam lange Zeit Antibiotika. Danach hatte sie Durchfall und Schnupfen mit erheblichen Schleimabsonderungen. Ich erinnerte mich daran, wie wir sie gefunden hatten und wie elend sie damals war. So ähnlich war es nun auch. Sie bestand nur noch aus Haut und Knochen. Wieder bekam sie Antibiotika, aber der Durchfall wollte nicht besser werden. In dieser Zeit habe ich mehrere Tierärzte aufgesucht. Jeden bat  ich, die Katze auf Trächtigkeit zu untersuchen. Sie waren jedoch der Meinung, keine Rolligkeit, keine Trächtigkeit und außerdem sei die Katze zu jung.

Inzwischen hatte ich als „neue“ Katzenmutter viele Bücher gelesen. Ich wusste, dass nicht alles so sein muss, wie es scheint und rechnete zum Vatertag 65 Tage hinzu. Tja, und irgendwann glaubte mir auch der Tierarzt.

Am 65. Tag nach dem Vatertag, hatte morgens mein Katzentier schon dringend auf mich gewartet. Ich nahm sie in einem Karton mit aus dem Wintergarten in die Küche. Eigentlich hatte ich keine Zeit, weil ich zur Arbeit musste.  Zwischen Brötchen und Kaffee haben wir beim Frühstück  5 kleine Katzenbabys bekommen, sie und ich.

Der Rest der Familie war ganz aufgeregt. Am liebsten wären sie nicht zur Arbeit bzw. zur Schule gegangen. Aber wir Frauen haben es allein geschafft. Und ich kam zu spät zur Arbeit.

Ein Katzenkind hat leider nicht gelebt. Der Rest bestand aus 2 Kätzinnen und 2 Kater. drei sind dunkelgrau (oder schwarz) und irgendwie getigert. Sie sehen aus wie kleine Bären. Nur ein einziges Kätzchen hat mehrere Farben. Das wird meine katzenerfahrene Nichte bekommen. Das kleine, mehrfarbige Katzenkind wog nur 60 g. Also verbrachte ich jede freie Stunde damit, das Kätzchen beim Muttertier anzulegen, damit es auch groß wird. Die anderen 3 waren richtige Brocken und wogen zwischen 90 und 100 g. Sie sind bärig. Irgendwie nicht wie Katzen. Sie haben keine Pfoten sondern schwarze Bärentatzen und sind auch so dick und knuffig wie kleine Bären.

Sie erhielten die Namen Piezi, Lucie, Tiger und Merlin.
Und unsere Hündin „Paisley“? Wir befürchteten zunächst, dass sie die kleinen vielleicht mit Maulwürfen verwechseln würde, aber wir irrten uns. Sie benimmt sich, als wären es ihre Welpen. Wir haben Mühe, die Hündin von den Katzenkindern fernzuhalten, denn vor lauter Mutterinstinkt knurrt sie selbst, wenn die Katzenmutter in die Nähe der Katzenkinder kommt. Oder irren wir uns auch darin? Heißt nicht Knurren in der Hundesprache = Schnurren in der Katzensprache? Kann unsere Hündin vielleicht mehr als wir ahnen?

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